Meine Beschäftigung mit der niederländischen Marinemalerei des 17. Jahrhunderts begann bereits in den ersten Semestern des Kunststudiums, ausgelöst durch wiederholte Aufenthalte in Amsterdam mit Besuchen des dortigen Schifffahrtsmuseums sowie des Rijksmuseums.
Unter den vielen herausragenden Repräsentanten dieses Genres hatten es mir Willem van de Velde Vater (1611-1693) und Sohn (1633-1707) jedoch von Anfang an besonders angetan, nicht zuletzt aufgrund der Fülle an erhaltenen Skizzen, Studien und Zeichnungen von beiden, die auch heute noch einen tiefen Einblick in den Künstleralltag der Barockzeit ermöglichen.
Viele dieser Blätter – insbesondere des Jüngeren – enthalten an sich selbst gerichtete Anmerkungen für die spätere Ausführung des Motivs als Gemälde sowie auch Instruktionen für Schüler und hieraus entstand die Idee, doch einmal zu versuchen, diese längst vergangene Ära – quasi als ein um dreihundert Jahre verspäteter Schüler – zeichnerisch nachzuvollziehen und mit meinen Zeichnungen ihrem jeweiligen Vorbild möglichst nahe zu kommen.
Einerseits, weil Zeichnen ohnehin die Grundlage künstlerischer Tätigkeit bildet und andererseits, weil das freihändige Nachempfinden das Auge schult und gleichzeitig die eigene Zeichentechnik zu verbessern hilft.
Bereits 1994 bin ich mit diesem Anliegen an die Staatlichen Museen Preußischer Kulturbesitz in Berlin herangetreten und erhielt tatsächlich die Genehmigung, im gemeinsamen Depot von Gemäldegalerie und Kupferstichkabinett unmittelbar nach den (leider nur wenigen) dort im Bestand befindlichen Originalkunstwerken zu arbeiten und das vorerst letzte Highlight in dieser Hinsicht war die große Ausstellung am „Originalarbeitsplatz“ der van de Veldes im Queen’s House im Jahr 2023.

Zunächst: es gab zwei Willem van de Velde -Vater und Sohn. Sie waren niederländische Marinemaler und -zeichner und bereits zu ihren Lebzeiten im 17. Jahrhundert berühmt.
1672 übersiedelten beide aus ihrer niederländischen Heimat nach England, wo ihnen Räume im Queen's House in Greenwich zum Leben und Arbeiten zur Verfügung gestellt wurden.
Das original erhaltene historische Gebäude ist heute Teil des britischen National Maritime Museum.